Ein neues Jahr liegt vor uns. Schon das zweite unter der Regierung Merz. Ein Kanzler, der sich in den Bundestag stellt und sagt, er würde den Schutz queerer Menschen sicherstellen. Der gleiche Kanzler, der jedoch das Hissen der Regenbogenflagge auf dem Bundestag mit einem Zirkuszelt verglichen hat.
Mehr muss man fast nicht sagen, um darzustellen, wie ernst diese Bundesregierung die zunehmende Gefährdung von LSBTIQ+ nimmt.
Das letzte Jahr war genauso zwiespältig für uns, wenn wir uns andere Aspekte anschauen.
245 – eine Rekordzahl an CSDs! An 245 Orten sind Menschen auf die Straße gegangen, um auf die Benachteiligung und die Gefährdung von Menschen hinzuweisen, die nicht zur heteronormativen Mehrheit gehören. Vor allem danken wir den vielen zivilgesellschaftlichen Verbündeten, die mit uns laut und sichtbar waren. Wir brauchen Euch!
111 – doch ebenso rekordverdächtig ist die Zahl von Vorfälle, Angriffen und Übergriffen auf und im Umfeld von CSDs. Aus Hass-Kommentaren im Netz werden Beleidigungen auf der Straße. Aus Beleidigungen immer öfter körperliche Gewalt. (Quelle jeweils: CeMas)
Wie gut wäre es, wenn ein Kanzler diese Entwicklung wirklich ernst nimmt. Gerade ein Kanzler der CDU, die sich doch immer wieder die innere Sicherheit auf die Fahnen geschrieben hat. Doch vielleicht meint sie damit nur die Sicherheit von weissen, heterosexuellen Männern. Zynismus aus.
5 – so viele Landtagswahlen stehen in diesem Jahr an. Der AfD werden bei all diesen Landtagswahlen starke Zuwächse vorhergesagt. Eine Partei, die unsere reine Existenz als Ideologie und Propaganda diffamiert. Die Sicherheitslage wird ein solches Erstarken weiter verschlechtern. Auf verbale Hetze folgt eben allzu bald körperliche Gewalt. Der aktuelle Überfall auf Pascal Kaiser spricht für sich.
3 – Unser Grundgesetz ist getragen von dem Gedanken, dass eine faschistische Schreckensherrschaft nie wieder möglich sein soll. Rassistische Politik wie die der AfD sollte damit unterbunden werden. Noch immer gibt es jedoch kein Prüfverfahren, um diese Partei auf ihre verfassungsgemäße Haltung hin zu untersuchen und ggf. zu verbieten. Doch auch ein Gründungsfehler des Grundgesetzes besteht bis heute fort. So wird in Artikel 3 GG zwar die Diskriminierung von Menschen verboten. Die Opfergruppen der NS-Zeit sind jedoch sogar explizit noch einmal aufgeführt. Das Fehlen von homo- und transsexuellen Menschen wiegt jedoch immer schwerer. Wir danken der Bundesratsinitiative der Länder Berlin, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, dass sie sich dieses Unrechts annehmen. Es ist keinesfalls nur eine historische Fußnote. Der explizite Schutz des Grundgesetzes sorgt eben auch für die Sicherheit, dass all die gesetzlichen Errungenschaften unserer Gleichstellung abgesichert werden.
1 – so wie uns die Rekordzahl der CSDs in 2025 hoffnungsvoll stimmt, so wichtig ist es auch in 2026, dass wir zusammenstehen. Das LGBTIQ+ kraftvoll untereinander um den besten Weg streiten und doch wie Eins zusammenstehen und zusammenhalten.
Wir alle kämpfen für dieselbe Welt.
Eine Welt, in der Menschen von Geburt an wertvoll sind. Ohne den Beweis dafür erbringen zu müssen. In dem Menschen ihr Potential entdecken und entwickeln können, weil sie frei von Angst leben dürfen. In der ein Verstecken der Vergangenheit angehört.
Doch so eine Welt kommt keineswegs alleine. Für so eine Welt braucht es mutige Menschen. Es braucht Engagement und Sichtbarkeit. Dabei beginnt Mut im Kleinen. Einem freundlichen Wort zu einem Mitmenschen. Eine helfende Hand. Ein offenes Wort zu den eigenen Eltern. Ein Regenbogensymbol an der Kleidung. Ein Engagement bei einer der vielen queeren Gruppen.
Wer als LGBTIQ+ aufwächst, wächst fast immer mit Angst auf. Angst vor Ablehnung und Verlust. Ein Coming Out ist eine Erfahrung von großem Mut.
Viktor Frankl, Überlebender des KZ sagte so treffend: „Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen.“
Unsere Gegner setzen auf Angst.
Setzen wir ihnen Mut entgegen!
Happy Pride 2026